Hightech aus den Bergen

Was Graubünden an Naturschönheit zu bieten hat, ist bekannt – weniger jedoch, dass hier Hightech-Produkte auf Weltniveau entwickelt werden. Den Zusammenhang erklärt AWT-Leiter Eugen Arpagaus.

Graubünden. Da entstehen als Erstes Bilder von malerischen verschneiten Berglandschaften vor dem inneren Auge, man sitzt gemütlich eingekuschelt im Maiensäss, es gibt Gerstensuppe und draussen hüpfen zwei Steinböcke durch die Flocken ... Eugen Arpagaus klopft mit dem Zeigfinger auf den Tisch: «Was vielen nicht bewusst ist: Graubünden hat ein mediterranes Klima! Bei uns wachsen Trauben, aus denen ein Pinot Noir von bester Qualität entsteht; mehr muss man gar nicht sagen!» Eugen Arpagaus ist Leiter des Bündner Amts für Wirtschaft und Tourismus – und sein Ziel ist es, die andere Seite Graubündens zu zeigen. Denn jenseits von Schellen-Ursli, Capuns und «Schkifahra» hat der Kanton eine Hightech-Industrie aufzuweisen, die sich wahrlich nicht zu verstecken braucht.

 

Made in Switzerland rechnet sich

Mehr und mehr Firmen aus den Schwerpunktbranchen Medtech, Kunststoffe und Chemie, Maschinen- und Werkzeugbau, Elektronik und Sensorik oder Life Sciences haben sich im Bündner Rheintal und im vorderen Prättigau angesiedelt. Darunter sind viele internationale Konzerne wie etwa Hamilton, TRUMPF oder INTEGRA Biosciences, die ihren Firmensitz in den dynamischen Bergkanton verlegt haben, doch auch lokale Betriebe aus diesen Branchen entwickeln sich in ihrer Nische rasant zu Global Players. Die hochspezialisierten Technologien aus Chur, Grüsch, Domat/Ems, Bonaduz oder Landquart finden Absatz in der ganzen Welt. Erstaunlich, aber wahr: «Oft sind die Produktionskosten pro Stück am Ende in der Schweiz am tiefsten, weil es eine viel geringere Ausschussrate gibt. Gerade Firmen, die noch andere Produktionsstätten haben, können das gut vergleichen», sagt Arpagaus.

«Die sechs grössten Unternehmen der Region suchen jährlich 160 neue Ingenieure.»

Warum das so ist? «Die Mitarbeiter sind bestens ausgebildet, motiviert und verhalten sich loyal». Dass Mitarbeitende sich für den Standort im Bündner Rheintal interessieren, zeigen die Erfahrungen des Unternehmens Hamilton. Dem führenden Medtech Unternehmen ist es gelungen, in einem Jahr 360 Stellen zu besetzen – über 6500 Bewerbungen trafen ein. Besonders gross ist der Bedarf an Ingenieuren: Nur schon die sechs grössten Unternehmen der Region suchen jährlich 160 neue, Tendenz steigend. Die Fachleute kommen aus der ganzen Welt, aber auch frisch ab Studium der verschiedenen Disziplinen.

Eugen Arpagaus

Argumente für Kopf und Bauch

Das Wachstum der Exportindustrie im Bündner Rheintal entwickelt sich sehr gut: Die Kostenstruktur für die Unternehmen wie beispielsweise für Industrieland oder Löhne ist im Vergleich zu den Agglomerationsräumen der Schweiz deutlich tiefer. Graubünden ist ein attraktiver Wohnstandort mit vergleichsweise tiefen Lebenshaltungskosten dank niedrigeren Wohnkosten, Versicherungsprämien und moderater Steuerbelastung. Das frei verfügbare Einkommen ist dadurch höher als in den Agglomerationsräumen der Schweiz. Das freut sowohl Unternehmen als auch Mitarbeitende.

Gleichzeitig sind sie zufriedener und gesünder als die Arbeitnehmer in den meisten anderen Kantonen – auch das ist natürlich ein gewichtiges Argument für Arbeitgeber, ihren Firmensitz ins Bündner Rheintal zu verlegen. Und derer sind noch mehr: «Die Verfügbarkeit von insgesamt 300'000 m² hervorragend erschlossener Industrieflächen an attraktiven Lagen ist natürlich ein wichtiges Kriterium, ausserdem sind die politischen Entscheidungswege kurz, das schätzen sehr viele Unternehmer», sagt Eugen Arpagaus. Dazu kommt, dass Graubünden eine grosszügige Abschreibungspraxis sowie Steuererleichterungen auf Kantonsebene und im Rahmen der Regionalpolitik auch auf Bundesebene bietet.

Unternehmer, die sich für den Wirtschaftsstandort interessieren und Graubünden in Rahmen einer Fact Finding Mission besuchen, erkennen das Potential bei einem Besuch vor Ort. «Wir machen aber auch andere Erfahrungen» sagt Arpagaus und beginnt aufzuzählen, welche Unternehmer sich aus ihren Erkenntnissen von Aufenthalten oder Ferien beschlossen haben, ihren Sitz im Kanton anzusiedeln – ganz nach dem Motto «Work where you love to live».

Oblamatik

Ein Tüftler im Dienste der Natur

Michael Kriegel arbeitet als Software-Architekt – und in der Freizeit daran, die Erde für künftige Generationen zu erhalten. Von wegen Nerds scheuen frische Luft!

TRUMPF

Der und die Einzelne zählt

Die Firma TRUMPF stellt nicht nur innovative Werkzeugmaschinen her, sondern gibt sich auch in der Mitarbeiterführung nicht mit Standardlösungen zufrieden.

INTEGRA Biosciences

Daniel Shearer, der Ingenieur mit Bauernhof

Daniel Shearer ist aus Österreich nach Graubünden gekommen. Hier wie dort steht für ihn vor allem eines im Mittelpunkt: anderen das Leben zu vereinfachen.