Vom Helfen und Heuen

Daniel Shearer ist aus Österreich nach Graubünden gekommen. Hier wie dort steht für ihn vor allem eines im Mittelpunkt: anderen das Leben zu vereinfachen.

An Sommerabenden, während andere in Freibädern an ihrer Work-Life-Balance feilen, steht Daniel Shearer auf einer Wiese und wendet abgeschnittenes Gras. «Das macht mir Freude», sagt er und ergänzt, dass man auf einem Bauernhof eben immer Arbeit finde. Zumindest, wenn man, wie er, gerne danach suche. Denn seine Zeit scheint nicht dazu da zu sein, einfach zu verstreichen. Im Leben von Daniel Shearer wollen Pausen erst verdient werden. Und trotzdem scheint es sie zu geben, die Momente, in denen er anfängt zu träumen.

«Ich möchte etwas machen», sagt er über seinen Job, «was noch niemand vorher gemacht hat.» Dabei würde man ihn nicht jenem Schlag Mensch zuordnen, der seinen Beruf als Berufung interpretiert. Montags bis freitags gegen 6.30 Uhr steigt der Entwicklungsingenieur in der Bündner Gemeinde Domleschg in sein Auto, steuert es dem noch jungen Rhein entlang, durch den Isla-Bella-Tunnel, fährt weiter bis nach Zizers, wo er es gegen 7 Uhr vor dem Gebäude seines Arbeitgebers INTEGRA Biosciences parkiert. Und montags bis freitags, jeweils gegen 16 Uhr, verlässt der Tiroler dieses Gebäude wieder und fährt dieselbe Route in die entgegengesetzte Richtung. «Eine schöne Region», sagt er, steil und gleichzeitig ein bisschen hügelig, mit Plateaus dazwischen und einer Autobahn mit guter Anbindung. «Ich weiss nicht, was man mehr möchte.»

«Wenn jeder nur nimmt, kommt man als Gesellschaft nicht weiter»

Zwischen den beiden Fahrten widmet er sich seinen beruflichen Aufgaben: aus Ideen Konzepte formen, einige davon weiterdenken, die besten als Prototypen halbautomatischer Pipettiergeräte umsetzen und in Serie schicken. «Kein Tag ist wie der andere. Was für den Kunden neu ist, ist für mich schon wieder alt.» Nur sein Ziel, das bleibt gleich: anderen Leuten das Leben zu vereinfachen.

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Wenn jeder nur nehme, sagt er, komme man als Gesellschaft nicht weiter. Sieben Jahre lang fuhr Shearer Rettungsdienst, in seiner Freizeit. «Erst war es vor allem das Blaulichtfahren, das mich gereizt hatte», sagt er, «später auch, dort Zivilcourage zu zeigen, wo viele wegschauen.» Dankbarkeit habe er dabei nur selten erfahren. Die meisten hätten die Hilfe als selbstverständlich angesehen. «Wie eine Taxifahrt», sagt er, und dass ihm das nichts ausgemacht habe. Er mag es, Menschen zu helfen – «und dabei vielleicht sogar den Ausgang ihres Lebens zu verändern». Doch als er aus Osttirol nach Graubünden zog, der Liebe wegen, musste er dieses Hobby vorerst aufgeben. Der Rettungsdienst ist hier hauptberuflich organisiert.

Der einzige persönliche Gegenstand, der auf seinem Arbeitsplatz steht, ist eine Uhr. Sie ist eingelassen in ein Zahnrad, das aus einem Formel-3000-Boliden stammt. «Ein Geschenk meines Vaters, der in der Nähe der Rennstrecke von Silverstone in England aufgewachsen ist.» Und ein bisschen Silverstone scheint immer bei ihm zu sein, nicht nur in der Faszination für Technik, die er von seinem Vater vererbt bekommen habe. Seinen zweieinhalbjährigen Sohn nennt er «Junior», mit einem englisch ausgesprochenen harten J.

 

Auch Junior ist oft dabei, wenn Daniel Shearer auf dem Bauernhof tut, was getan werden muss. Und auch Junior riecht den Duft von frischem Heu, geniesst die Ausfahrten mit dem Traktor, hört das Muhen aus dem Stall, die läutenden Glocken, wenn die Kühe auf dem Maiensäss den Rufen seines Vaters folgen. «Es ist schön, dass er hier die Freiheit hat, in der Natur zu sein.»

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