Von Fräsen und Forellen

Clau Deplazes ist in Graubünden geboren, geblieben und glücklich: Die Gründe dafür liegen in einem idealen Zusammenspiel aus Arbeit und Freizeit.

Die Maschinen in der Werkstatt machen Geräusche, die zwischen heulendem Kind, stimmendem Orchester und erboster Katze changieren. Sie fräsen ihm immer wieder ins Wort, aber Clau Deplazes ist kein Mann, der sich leicht aus der Ruhe bringen lässt. Er nimmt sich Zeit für seine Sätze, strahlt die optimistische Gelassenheit von Menschen aus, die wissen, dass sich immer Lösungen finden, wenn man nur geduldig und genau daran arbeitet – gewissermassen ist das bei Polycontact auch sein Job. Er ist in der Entwicklung und im Bau von Musterteilen tätig, tüftelt also daran herum, wie sich ein spezifisches Teil aus einem Kunststoffblock fräsen lässt, in das nachher die Elektronik eingebaut wird, damit Autos auf der ganzen Welt wissen, ob die Menschen in ihnen angeschnallt sind oder nicht. Mit diesem hochspezialisierten Produkt beliefert Polycontact heute viele der grössten Automobilhersteller.

«Beim Fliegenfischen geht es um viel mehr als nur ums Fische herausziehen.»

Nicht immer in der 60-jährigen Firmengeschichte liefen die Geschäfte so gut wie heute. Clau Deplazes erinnert sich an Zeiten, in denen er allein in der Werkstatt war, weil so viele abgesprungen waren und einmal hat er sogar angefangen, das Inventar aufzunehmen. Seit 23 Jahren ist er hier angestellt, «ein Fossil», wie er sagt. Was genau es ist, weshalb er immer blieb und bleiben wird, formuliert er in charmant wortkargem Bündnerstil: «Äs passt halt. Miar machts Spass.» Auch wenn er täglich 45 Minuten mit dem Auto braucht für den Arbeitsweg zwischen Surrein, wo er wohnt und der Industrie Chur. Beziehungsweise: auch ein bisschen deswegen. «Gerade als die Kinder noch kleiner waren, war das ziemlich wichtig. So konnte ich auf dem Heimweg die Arbeit wirklich hinter mir lassen und war dann voll da, wenn ich heimkam.»

Die Kinder, jetzt gross, sieht man auch auf den Bildern hinter seinem Arbeitsplatz am Computer mitten in der Werkstatt, aber zwei stechen besonders heraus: Ein Foto von ihm, er hält einen grossen Fisch, dessen gelbe Flossen in der mongolischen Nachmittagssonne leuchten, und ein Foto von einem blauen 67er-Chevrolet («fast so schön wie eine Forelle»). Das Bild von ihm entstand auf der letzten Reise, die er mit vier befreundeten Fliegenfischern unternahm.

Als das Thema auf seine Leidenschaft kommt, bekommen seine Augen ein anderes Leuchten. Mit dem Fischen kam er durch die Männer der drei Schwestern seiner Mutter in Kontakt, die zwar in anderen Teilen der Schweiz lebten, aber für ihr Hobby gern nach Graubünden kamen. Clau fand Gefallen daran, vermutete aber immer, dass das noch besser gehen musste, weniger grob, natürlicher.

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Ein Kurs im Fliegenfischen war die Antwort auf dieses Bauchgefühl. Aber auch dann noch suchte er nach einem Weg, den Prozess des Fischens zu verfeinern, las sich ein und stiess immer wieder auf Erwähnungen der alten Tradition von selbstgebauten Bambusruten. Irgendwann siegte die Neugier und er kontaktierte einen der wenigen Experten auf diesem Gebiet, der ihn rund ein Jahr lang in die Kunst des Rutenbaus einweihte. Der beginnt nämlich nicht erst mit der Rute, sondern mit dem Herstellen des Werkzeugs – wobei Clau Deplazes seine Ausbildung zum Werkzeugmacher entschieden entgegenkam. Und auch Polycontact erwies sich einmal mehr als idealer Arbeitsplatz: Einige Teile, wie etwa die verschiedenen Rollen, lassen sich trefflich auf den Maschinen herstellen – der Chef Hanspeter Gauer «freut sich, wenn die Firma bei so spannenden Hobbys unterstützend wirken kann».

 

In den zwei Jahren seit dem Kurs sind fünf Bambusruten entstanden. Es ist ein langer, aufwändiger Prozess, rund 60 Stunden arbeitet Clau an einer – «und jede ist völlig anders als die andere. Von der Aktion her - eine für windige Tage, die andere für ganz heikle Fische –, aber auch optisch», erklärt er. «Wie ein Gemälde.» Dazu kommen noch die selbstgebundenen Fliegen: Clau hat die Insekten genau studiert, die er in Handarbeit imitiert. Zusammen mit der Rute aus Bambus, der im Gegensatz zu Kunststoff «einfach Seele hat», kann er so auf kleinste Veränderungen der Umwelt reagieren und die Fische sanft heranholen. Meistens lässt er sie dann wieder frei. Aus Dankbarkeit: «Der Fisch gibt dir dieses schöne, fast schon instinktive Erlebnis», sagt Clau. «Beim Fliegenfischen geht es um viel mehr als nur ums Fische herausziehen. Du beobachtest die Natur, interagierst mit ihr, bist an den schönsten Orten dieser Welt.»

In Graubünden ist das für ihn übrigens die Greinaebene und das «Klein Kanada» Val Sumvitg. Im Versuch, die Naturschönheit dieser Gegend zu beschreiben, sagt Claus Gesichtsausdruck aber mehr als alle Worte.

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